Hospiz Stiftung Niedersachsen
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Selbstverständnis

Ursprünge

Die Gastfreundschaft gegenüber Fremden und Hilfsbedürftigen ist seit jeher als christliche Tugend definiert worden. Es waren vor allem geistliche Orden, die im Mittelalter zahlreiche Hospize (lat. Herberge, Gastfreundschaft) in Europa errichteten. Diese Herbergen boten nicht nur Reisenden Schutz, sondern auch Armen, Kranken und Sterbenden. Dem damaligen Glaubensverständnis entsprechend wurde das Leben als Pilgerfahrt zu Gott betrachtet. Hospize waren Orte der Geborgenheit - auch auf dem letzten Abschnitt dieser Reise.

Renaissance im 20. Jahrhundert

Mit dem Fortschritt von Medizin und Technik nahm das Bedürfnis, sich mit Sterben und Tod zu beschäftigen, ab. Die vermeintliche Verlagerung des Lebensendes nach hinten ging einher mit zunehmender Verdrängung des Sterbens.

Gleichzeitig lösten sich durch die Industrialisierung hergebrachte Familienstrukturen und -rituale auf. Es entwickelte sich ein gespaltendes Verhältnis zum Tod. Einerseits veröffentlichten Medien massenhaft Bilder und Informationen über Todesfälle in Zusammenhang mit Unfällen, Morden oder Kriegen. Andererseits reagierten Menschen in der direkten Konfrontation mit Sterben oder Tod meistens mit großer Angst und Verunsicherung. Die Verlagerung des Sterbens in die Krankenhäuser trug ebenfalls zu einer zunehmenden Entfremdung bei.

Diese Diskrepanz suchte die moderne Hospizbewegung zu überbrücken. Protagonisten waren Dr. Cicely Saunders und Dr. Elisabeth Kübler-Ross.

Die Ärztin Cicely Saunders eröffnete 1967 das St. Christopher's Hospice in London. Ihr Ansatz war eine Pflegephilosophie, welche die Grundlage der heutigen Hospiz- und Palliativmedizin darstellt: Mit ihrem Konzept sollten Sterbende so betreut werden, dass sich medizinische, pflegerische, spirituelle, soziale und psychologische Aspekte gegenseitig ergänzen. Der Schmerzbekämpfung als Basis des Wohlergehens und des aktiven Erlebens des Sterbenden räumte sie einen hohen Stellenwert ein. Ihre Idee setzte sich durch, zunächst in England, Nordamerika und Skandinavien, dann überall in Europa und der Welt.

Die aus der Schweiz stammende Ärztin und Psychologin Elisabeth Kübler-Ross hat hat sich mit dem Tod und dem Sterben als Phänomen bis zu ihrem eigenen Tod beschäftigt. Durch ihre zahlreichen Begegnungen mit Sterbenden und ihre Veröffentlichungen gelang es ihr, viele Tabus aufzulösen. Sie verschaffte dem Thema damit mehr Beachtung und ermutigte viele Menschen, mit Sterben, Tod und Trauer offener umzugehen.

In Deutschland konnte die Hospizidee nur langsam Fuß fassen. Das hängt vor allem mit einer Debatte zusammen, die durch eine Fernsehreportage ausgelöst wurde. Der dort verwendete Begriff "Sterbeklinik" ging am Hospizgedanken vorbei und rief erhebliche Ablehnung in der Öffentlichkeit hervor. In der Bevölkerung entstand der Eindruck, dass Sterbende in ein Hospiz eingewiesen und abgeschoben wurden. Dass die Hospizbewegung sich gerade als Reaktion auf ein "Abschieben" Sterbender entwickelt hatte, konnte in der Diskussion nicht vermittelt werden. Es dauerte bis in die Mitte der achtziger Jahre, bis durch zahllose Veröffentlichungen, Diskussionen und Vereinsgründungen die Hospizidee auch in Deutschland Fuß fasste. 1986 gründete Dr. Paul Türks das erste deutsche Hospiz in Aachen. 1989 erkannten auch die Kirchen die Hospizbewegung und die Notwendigkeit der Einrichtung von Hospizen an. 1991 schloss sich die Bundesregierung dieser Einschätzung an.

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